Ausbildungserfolg für Segelflugschüler: 15-Jähriger flog erstmals allein

„Schmerzliche Glückwünsche" erhielt der 15-jährige Flugschüler Niels Hildebrandt aus Neumün­ster am vergangenen Wochenende auf dem Flugplatz Neumünster von seinen Fliegerkameraden des Flugsportclub Neumünster e.V. (FSCN). Glückwünsche deshalb, weil er seine ersten drei Soloflüge im Segelflugzeug (ASK21) absolviert hatte. Schmerzlich, weil die Fliegertradition es verlangte, dem Alleinflug-Novizen mal gründlich den Hintern zu versohlen.

Dabei sind die Segelflieger keineswegs eine grausame Gemeinschaft - vielmehr haben die Schläge auf das Hinterteil einen sehr pragmatischen Hintergrund. Segelflugreferent Hans-Peter Nissen erklärt den Brauch: „Zwar haben wir in den Flugzeugen hochmoderne Instrumente, die das Steigen und Fallen des Segelflugzeuges anzeigen, aber das wahre Gespür für die Thermik sitzt bei den Piloten im Po." Nicht umsonst sage man einigen sehr erfolgreichen Segelfliegern nach, dass sie „mit dem Hintern" flögen. Thermik ist von der Sonne erwärmte Luft, die vom Boden aufsteigt. Fliegt das Flugzeug in die Thermik ein, so „nimmt" die steigende Luftmasse den Flieger mit nach oben.

Niels Hildebrandt hat seine Ausbildung im FSCN am 25. August 2012 aufgenommen. Nach knapp 90 Starts mit den ehrenamtlichen Fluglehrern hatte der 15-Jährige alles Wichtige über Start und Landung, Kurvenflüge und das Verhalten in besonderen Fällen gelernt und absolvierte unter Aufsicht von Fluglehrer Andreas Schöer seine drei Alleinflüge ohne Probleme. Damit ist er derzeit einer der jüngsten Allein­flieger des Vereins.

Bis Niels Hildebrandt ohne die wachsamen Augen eines Fluglehrers starten darf, wird jedoch noch einige Zeit vergehen: Das Mindestalter für den Erwerb des Segelflug-Pilotenscheines liegt bei 16 Jahren. Bis dahin ist weiterhin Pauken angesagt: Im Winter wird Theorie gebüffelt, den Sommer über wird Hildebrandt weitere Alleinstarts sowie Flüge mit Fluglehrern absolvieren, die das noch sicherere Beherrschen des Flugzeuges, das Aufspüren und Aus­nutzen der Thermik sowie die Streckenflugtaktik schulen. Am Ende der Ausbildung, die insgesamt zwei Jahre dauert, steht dann die offizielle Prüfung. Doch so weit denkt Niels Hildebrandt derzeit noch nicht: „Ich genieße erst mal frei wie ein Vogel ohne Fluglehrer zu fliegen."

 

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