„Tante Ju" und die Firefly mit der Hupe

Flugplatzfest lockte am Wochenende mit vielen Oldtimern und Aktionen über 15 000 Besucher / Rundflüge waren begehrt

NEUMÜNSTER „Da kommt sie!" Hunderte von Menschen reckten die Hälse, zückten die Kameras. Als am Sonnabendnachmittag die „Tante Ju" über den Flugplatz flog, war das für viele ein unvergessliches Erlebnis. Die Lufthansa Ju 52 D-AQUI mit fast 30 Metern Spannweite, die 1936 ihren Jungfernflug absolviert hatte, rauschte mit sonorem Klang des 600 PS starken Pratt &Whitney-Motors über das Flugplatzfest am Baumschulenweg. „Hier an Bord ist gute Stimmung", begrüßte „Tante Ju"-Kapitän Axel Graumann die Neumünsteraner per Funk und wünschte noch „ein schönes Fest". Landen konnte der Oldtimer nicht, da die Landebahn mit 550 Meter asphaltierter Strecke zu kurz war. Die Ju benötigt 1000 Meter, erklärte Festorganisator Dr. Gerwin Dienger.

Es war ein schönes Fest. Fast im Minutentakt starteten und landeten Rundflüge mit Segel- und Motorfliegern, Hubschraubern und dem imposanten Hingucker, der mächtigen Antonov, dem weltweit größten Doppeldecker. Das satte Motorbrummen des 1000-PS-Sternmotors war in der ganzen Stadt zu hören. Über 40 Flugzeuge, schmucke Oldtimer als auch moderne Fluggeräte, kamen zum „Fly-In" nach Neumünster -wie etwa die Boeing Stearman, Baujahr 1943, das einst Trainingsflugzeug für die US-amerikanischen Luftstreitkräfte war und vom britischen Piloten David Ormerod geflogen wurde.

„Das ist klasse, ein buntes, entspanntes Treiben, und man kann auch was mit den Kindern machen", sagten Susanne und Stephan Kopelke aus Bückeburg, die mit ihren Kindern Simon (9) und Jonathan (6) ihren letzten Urlaubstag auf dem Fest verbrachten. Vater Kopelke kennt sich mit Flugzeugen aus und hat ein witziges Detail entdeckt: „Die britische Slingsby Firefly hat eine Hupe im Cockpit, mit der sich der Pilot die Bahn frei trötet."

Auch ungewöhnliche Fluggeräte waren zu Gast. Quasi im Freien sitzt Pilot Axel Schröder in der Kanzel seines Tragschraubers (Gyrocopter). „Das ist wie Motorradfahren in der Luft, ein echtes Spaßgerät", erklärte der 55 Jährige aus Itzehoe. Gyrocopter sind bis zu acht Windstärken zugelassen. Mit einem Propeller im Rücken kurvte Andreas Müller (38) von der Harzer Gleitschirmschule mit seinem Motorgleitschirm durch die Luft. Die Besucher waren fasziniert, Hunderte hoben auch ab. Stefan Claußen (31) und Sohn Calvin (10) aus Groß Kummerfeld flogen mit der Antonov. „Man ist dann zwar taub, aber das war richtig klasse und cool", schwärmten sie.

Organisator Gerwin Dienger, und Co-Moderator Bernhard Conrad, die laufend Spannendes zu den Flugzeugen erzählten, strahlten mit der Sonne um die Wette. „Ich bin überrascht, wie viele trotz der Hitze kommen", freute sich Dienger. Über 15 000 Besucher waren es an beiden Tagen. Gabriele Vaquette

 

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